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Erste Produkte aus Russland werden boykottiert: So wirkt sich der Krieg in der Ukraine auf deutsche Supermärkte aus
Zusammenfassung:Ein Mähdrescher auf einem Weizenfeld.picture alliance / Jochen Tack | Jochen TackIm Zuge des Angriff
Ein Mähdrescher auf einem Weizenfeld.
Im Zuge des Angriffs Russlands auf die Ukraine steigen die Preise für Agrarrohstoffe weiter aus Furcht vor Lieferengpässen. Der Preis für Weizen stieg etwa auf den höchsten Wert seit neun Jahren.
Auf Anfrage von Business Insider geben die deutschen Lebensmittelhändler Aldi, Kaufland und Lidl jedoch an, die Versorgung sei sichergestellt. Allerdings schmeißt ein erster Discounter bereits russische Lebensmittel aus Boykott aus seinen Regalen.
Weil viele osteuropäische LKW-Fahrer fehlten, warnte der Bundesverband Logistik und Verkehr (BLV) bereits vor „englischen Verhältnissen in Deutschland, in Anspielung auf die Logistik-Probleme nach dem Brexit.
Der Krieg in der Ukraine wird auch die deutschen Verbraucher treffen. Denn Logistik-Probleme, teurere Preise für Weizen und Boykott von russischen Produkten werden sich sowohl im Geldbeutel, als auch in den Regalen widerspiegeln.
Eine der ersten Auswirkungen spielt sich gerade am Anfang der Produkt-Kette, im Agrarsektor, ab.
Die Ukraine produziert mit seinen fruchtbaren Böden besonders viel Weizen und wird daher auch die „Kornkammer Europas genannt. Russland und die Ukraine sind im Weltmarkt auch Hauptlieferanten für Mais und Sonnenblumenöl. 80 Prozent der weltweiten Sonnenblumenöl-Produktion stammen aus dieser Region, bei Mais sind es knapp 20 Prozent, bei Weizen 30. Nun könnten ukrainische und russische Agrarprodukte hierzulande knapp werden, da der Krieg die Äcker und Ernten schlichtweg zerstören kann und die Lieferungen behindert werden. Aufgrund der europäischen Sanktionen gegen den Angreifer Russland ist auch mit eingeschränkten Lieferungen aus dem Land zu rechnen.
Und wenn das Angebot knapp wird, dann steigen die Preise. Der US-Future für Weizen an der Terminbörse in Chicago kletterte um über neun Prozent auf 9,2 US-Dollar je Scheffel und erreichte damit den höchsten Wert seit mehr als neun Jahren. Ein Future ist ein Terminvertrag auf ein zugrunde liegendes Gut. An der Terminbörse Matif in Paris ist der Weizenpreis seit Montag um 20 Prozent gestiegen. Und auch Mais hat sich seitdem um die Hälfte verteuert.
Die Preissprünge an der Börse resultieren aus der Angst, dass aufgrund des Krieges die weltweite Versorgung mit den Agrarprodukten gefährdet sein könnte. Zwar ist der Krieg nicht der alleinige Faktor für den Anstieg, denn auch hohe Frachtkosten, schlechte Wetterbedingungen und die anhaltenden Lieferkettenschwierigkeiten aus der Corona-Pandemie spielen mit rein. Allerdings wird die Lage durch den Überfall der Ukraine noch verschärft.
Für Europa prognostizieren Experten deshalb künftig höhere Preise an den Regalen. In anderen Regionen der Welt, wie beispielsweise Afrika, könnten die Folgen dramatischer ausfallen und gar zu Hungersnöten führen. Viele ärmere Länder sind auf die Lebensmittelimporte angewiesen.
So reagieren deutsche Lebensmittelhändler
Und wie sieht die Lage konkret in deutschen Supermärkten aus? Business Insider hat fünf deutsche Lebensmittelhändler gefragt, ob künftig mit Versorgungsengpässen in den Regalen und höheren Preisen für den Endverbraucher zu rechnen ist.
Beim Discounter Aldi Nord kann man „derzeit keine unmittelbaren Auswirkungen“ der Krise in der Ukraine erkennen. Mit zukünftigen Prognosen bezüglich der weiteren Entwicklungen des Krieges ist man eher vorsichtig. „Die perspektivischen Auswirkungen auf den Einkauf und die Preise sind derzeit noch nicht absehbar”, sagt ein Sprecher von Aldi Nord. Dies sei auch auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Seitdem seien die globalen Märkte sehr dynamisch. Probleme in den Lieferketten und auf dem Rohstoffmarkt erschweren die weltweiten Marktbedingungen seit dem Ausbruch des Virus.
Immerhin: Zu leeren Regalen solle es bei Aldi Nord nicht kommen. „Unmittelbare Versorgungsengpässe können wir zum jetzigen Zeitpunkt ausschließen“, so der Sprecher. Der Discounter könne „nach wie vor eine hohe Verfügbarkeit der Produkte sicherstellen”. Bis auf eine Spirituose habe die Discounter-Gruppe keine Produkte aus der Ukraine oder Russland im Sortiment.
Auch der Großflächenhändler Kaufland gibt Entwarnung, was die Lebensmittelversorgung angeht, in den Logistikzentren seien „ausreichend Lagerbestände vorhanden“, die „grundsätzliche Warenverfügbarkeit” sei sichergestellt.
Bei der Unternehmensschwester Aldi Süd heißt es auf Anfrage, dass es „Nachfragespitzen geben kann, die allgemeine Versorgung sieht man dort jedoch ebenfalls als gesichert an. Allerdings könne es auch unabhängig von der aktuellen Situation in der Ukraine wegen der internationalen Lieferketten weiterhin vereinzelt zu Lücken im Sortiment kommen. Das sei jedoch nur vorübergehend, so eine Aldi-Süd-Sprecherin.
Grundsätzliche bitte der Discounter seine Kundinnen und Kunden, nur in haushaltsüblichen Mengen einzukaufen. “Bei vereinzelten Nachfragespitzen behalten wir uns vor, die Abgabemenge pro Kunde vorübergehend einzuschränken”, sagt die Sprecherin. So derzeit geschehen bei Sonnenblumenöl, wie die “Lebensmittelzeitung” berichtet. Davon sollen Käuferinnen und Käufer derzeit nur noch 4 Stück einkaufen. Auch bei Rewe und Netto soll dem Bericht zufolge Sonnenblumen- und Rapsöl fehlen. Hauptgründe für die Öl-Knappheit soll laut LZ Missernten, Corona-Folgen und steigenden Herstellungskosten sein, allerdings könnte der Mangel durch den Krieg noch verstärkt werden.
Anders reagierte der Discounter Netto. Die Marke mit dem schwarzen Hund boykottiert russische Waren, aus Protest gegen den Krieg in der Ukraine. Etwa 15 Produkte, darunter Süßwaren, Fertiggerichte und Spirituosen wie Wodka, werden aus den Regalen genommen. Die in Stavenhagen ansässige Tochtergesellschaft der dänischen Salling Group (Brabrand) folgt damit dem Mutterkonzern.
Netto betreibt nach eigenen Angaben rund 340 Märkte in acht deutschen Bundesländern vor allem in Ostdeutschland, Hamburg und Schleswig-Holstein mit rund 6000 Beschäftigten. „Die Situation in der Ukraine und die grausamen Bilder des Krieges gehen uns alle an, sagte Henrik Vinther Olesen, Kommunikationsdirektor der Salling Group. In Polen unterstütze die Firma die Caritas mit Grundversorgungsgütern für ukrainische Flüchtlinge. Die Firma kommunizierte die Entscheidung auch über einen Linkedin-Post.
Weizenpreise könnten Backwaren verteuern
Die deutschen Regale sollen also vorerst noch gut bestückt bleiben, bis auf einige Ausnahmen — aber werden die vorhandenen Lebensmittel denn zum gleichen Preis wie vor dem Krieg bleiben? Schweigen. Zur Preisstrategie möchten sich weder Aldi Süd, noch Kaufland oder Lidl äußern.
Wenngleich die Supermärkte und Discounter nichts von steigenden Preisen sagen, berichtet die “Tagesschau”, dass Verbraucher sich aufgrund der steigenden Weizenpreise auch auf verteuerte Backwaren einstellen müssen. Diese liege im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Das kommt on top auf einen ohnehin gestiegenen Preis bei Brot und Brötchen, der von höheren Herstellungs- und Personalkosten sowie den steigenden Energiepreisen ausgelöst wurde.
Während sich die Händler sichtlich bemühen, ihre Kunden zu beruhigen und es nicht zu Hamsterkäufen kommen zu lassen, gibt es noch ein weiteres Problem im Zuge des Ukraine-Krieges. Denn viele osteuropäische Arbeitskräfte fehlen nun, um die Lieferketten am Laufen zu halten.
Personalengpässe drohen sowohl im LKW- als auch im Schiffsverkehr. Laut der Aussage des Hauptgeschäftsführers des Speditionsverbandes DSLV, Frank Huster im “Handelsblatt” sind etwa 103.000 ukrainische Fahrer bei polnischen Transportunternehmen beschäftigt, die wiederum einen erheblichen Anteil am Warentransport nach und innerhalb Deutschlands leisten. Der Bundesverband Logistik und Verkehr (BLV) sagte etwa gegenüber dem “Handelsblatt”, dass er in der Folge „englische Verhältnisse in Deutschland erwarte. Damit spielte er auf die Situation nach dem Brexit an. Damals war im Vereinigten Königreich die Versorgung von Supermärkten und Tankstellen zusammengebrochen, nachdem osteuropäische Beschäftigte des Landes verwiesen wurden, und nicht mehr genug LKW-Fahrer zur Verfügung standen.
Einige Containerreedereien laufen bereits keine ukrainischen Häfen mehr an, Schiffe werden nun an Häfen in Rumänien oder Griechenland umgeleitet. Dort gebe es schon jetzt die ersten Staus, berichtet Huster im „Handelsblatt. Bislang sei Deutschland davon zumindest jedoch nicht betroffen.
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