简体中文
繁體中文
English
Pусский
日本語
ภาษาไทย
Tiếng Việt
Bahasa Indonesia
Español
हिन्दी
Filippiiniläinen
Français
Deutsch
Português
Türkçe
한국어
العربية
„Vorräte reichen vier bis sechs Wochen: Regierungspapier zeigt, welche Folgen ein EU-Aus von russischer Steinkohle hätte
Zusammenfassung:Ein Kohlebagger fährt durch die Kohlemine Saretschny in Russland. picture alliance/dpa/TASS/Maxim Ki
Ein Kohlebagger fährt durch die Kohlemine Saretschny in Russland.
Ein Regierungsbericht für den Wirtschaftsausschuss des Bundestages zeigt, dass ein kurzfristiges Aus für Steinkohle-Importe aus Russland erhebliche Folgen haben kann.
Insbesondere bei der Energieerzeugung und in der Industrie würden die Vorräte nur begrenzt reichen.
Die Bundesnetzagentur müsste die Kohle rationieren und entscheiden, in welchen Kraftwerken sie verwendet wird. Bei der Stromversorgung würden dadurch Engpässe drohen.
Angesichts des Massakers russischer Soldaten an Zivilisten in der ukrainischen Stadt Butscha bereitet die Europäische Union neue Sanktionen gegen Russland vor. Unter anderem werde die EU den Import von russischer Steinkohle einschränken, berichten übereinstimmend die Nachrichtenagenturen Bloomberg, Reuters und Deutsche Presse-Agentur mit Verweis auf EU-Quellen.
Wann dies der Fall sein werde und wie stark die Einschränkungen ausfallen würden, sei noch unklar. Laut Bloomberg werde es ein Ende der Kohle-Importe in mehreren Phasen geben. Ein Szenario, das laut einem internen Bericht des Wirtschaftsministeriums an den Wirtschaftsausschuss des Bundestags drastische Konsequenzen für Deutschland haben könnte.
Deutschland verfügt nur über sehr geringe Kohle-Reserven
Im Jahr 2020 verbrauchte Deutschland etwa 31 Millionen Tonnen Steinkohle. Die Hälfte dieser Menge wurde für die Energieerzeugung benutzt, die andere Hälfte auf die Industrie, etwa bei der Stahlproduktion. Um den Gesamtbedarf zu decken, importiert Deutschland rund 14,5 Tonnen Steinkohle aus Russland, also etwa 50 Prozent des Gesamtverbrauchs im Jahr, heißt es in dem Bericht, der Business Insider vorliegt. Im Kraftwerkbereich liege der Anteil russischer Kohle noch höher.
Zwar hatte Klima- und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) in den vergangenen Wochen angekündigt, dass die Bundesrepublik bis zum Herbst unabhängig von russischer Kohle sein könnte. Im internen Bericht des Wirtschaftsministeriums heißt es dazu: „Durch Vertragsumstellungen sinkt die Abhängigkeit bei Kohle aber in den nächsten Wochen bereits von 50 Prozent auf rund 25 Prozent.
Sollten jedoch „die russischen Importmengen kurzfristig ausfallen“, könnte es zeitnah zu Engpässen in der Industrie und bei der Stromversorgung kommen. Zwar könne für die Stromerzeugung „auf vorhandene Vorräte an den Kraftwerksstandorten und zwischengelagerte Steinkohle in denHäfen” zurückgegriffen werden. Diese Vorräte reichen laut Wirtschaftsministerium je nach Kraftwerk nur für vier bis sechs Wochen.
„Nach einem Verbrauch der Vorräte wären voraussichtlich einzelne Kraftwerke abzuschalten“, heißt es weiter im Bericht. „Die noch verfügbare Kohle müsste gegebenenfalls priorisiert eingesetzt werden, um die Netzstabilität zu gewährleisten.” Das bedeutet: Die Bundesnetzagentur müsste die Kohle rationieren und entscheiden, in welchen Kraftwerken sie verwendet wird. Bei der Stromversorgung würden dadurch Engpässe drohen.
Bundesnetzagentur soll Kohlevorräte aufstocken
Um diese zu verhindern, habe ein Großteil der deutschen Kraftwerksbetreiber bereits angefangen, den Einsatz russischer Steinkohle zu reduzieren, schreibt das Wirtschaftsministerium weiter. „Auch bei den großen industriellen Nutzern von Kohle, insbesondere der Stahlindustrie, erfolgt schon eine Umstellung der Lieferverträge. So sei im Laufe des Aprils eine deutliche Reduzierung des Anteils russischer Steinkohle am Gesamtverbrauch auf etwa 25 Prozent zu erwarten.
Die Bundesregierung habe zudem zusammen mit der Bundesnetzagentur einen Prozess aufgesetzt, „um gemeinsam mit den Kraftwerksbetreibern die Beschaffung und Reservebildung bei Kohle voranzutreiben. Außerdem seien Betreiber und Ministerien dabei, die Kohlelieferketten zu diversifizieren.
Haftungsausschluss:
Die Ansichten in diesem Artikel stellen nur die persönlichen Ansichten des Autors dar und stellen keine Anlageberatung der Plattform dar. Diese Plattform übernimmt keine Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Artikelinformationen und haftet auch nicht für Verluste, die durch die Nutzung oder das Vertrauen der Artikelinformationen verursacht werden.
