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Preisschocks, Engpässe und sogar Hungersnöte: Experten warnen vor globaler Ernährungskrise als Folge des Krieges in der Ukraine
Zusammenfassung:Die Ukraine und Russland gehören bei wichtigen Lebensmitteln wie Weizen, Mais, Soja oder Sonnenblume
Die Ukraine und Russland gehören bei wichtigen Lebensmitteln wie Weizen, Mais, Soja oder Sonnenblumenöl zu den größten Produzenten der Welt. Viele Länder sind von ihren Exporten abhängig.
Russlands Überfall auf die Ukraine, Sanktionen und Einschränkungen im Verkehr bedrohen die Lieferungen. In der Ukraine ist auch die Aussaat akut gefährdet.
Die Vereinten Nationen und Experten wie Bayer-Chef Werner Baumann waren vor Hungersnöten in vielen Ländern und einer „globalen Ernährungskrise
Weizenfeld im Westen der Ukraine im Sommer 2020
Der russische Überfall auf die Ukraine bedroht die Versorgung mit wichtigen Lebensmitteln in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika. Während Experten in Europa mit Engpässen und steigende Preise rechnen, befürchten sie in Teilen der arabischen Welt sogar Hungersnöte. Auf diese Bedrohung wiesen Hilfsorganisationen, die Vereinten Nationen und auch Bayer Chef Werner Baumann hin. Die Agrarminister der EU beschäftigten sich am Mittwoch (2. März) mit der Lage.
Der Hintergrund ist, dass die Ukraine und auch Russland wichtige, bei einigen Nahrungsmitteln sogar die wichtigsten Exporteure sind. Dies gilt vor allem für viele Getreidesorten wie Weizen. Bayer-Chef Baumann im Podcast „The Pioneer Briefing von Media Pioneer darauf hin, dass zusammen mehr als ein Viertel des weltweiten Soja- und Mais-Handels auf Russland und die Ukraine entfällt. Auch 30 Prozent der Weizen- und sogar 80 Prozent der Sonnenblumenöl-Produktion kommt aus der Region.
Baumann warnte sogar vor einer „globalen Ernährungskrise“. Er wies daraufhin, wie wichtig nun die Frühjahresaussaat in der Ukraine sei und sagte: „Sollte die Ukraine als Lieferant ausfallen, werden wir vor allem massive Versorgungsengpässe in Nordafrika und im Nahen Osten sehen.”
Davor warnte auch Hilfsorganisationen. „Schon jetzt sind 276 Millionen Menschen in 81 Ländern von akutem Hunger betroffen. Die Welt kann sich einfach keinen weiteren Konflikt leisten“, sagte der Direktor des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) in Deutschland, Martin Frick. Mehr als die Hälfte der Nahrungsmittel, die das WFP in Krisenregionen verteilt, stamme aus der Ukraine. „Putins Krieg überzieht nicht nur die Ukraine mit unermesslichem Leid. Die Auswirkungen werden weit über die Grenzen der Region zu spüren sein”.
Beispiel Ägypten: Das bevölkerungsreichste Land der arabischen Welt bezieht Weizen zu großen Teilen aus Russland und der Ukraine. Gleiches gilt für Tunesien. In beiden Ländern sind vor allem arme Menschen auf Brot dringend angewiesen. Das Nahrungsmittel wird subventioniert und ist deshalb bislang für fast alle erschwinglich. Experten in Tunesien warnen vor heftigen Preissteigerungen infolge des Krieges. Künftig wolle das Land auf andere Importquellen setzen, etwa Argentinien oder Rumänien. Ob die Lieferungen den Bedarf decken können, ist unklar. Auch viele Länder in Westasien stehen vor ähnlichen Problemen.
Türkei, Nahost und Nordafrika besonders bedroht
Die Türkei ist vor allem abhängig von Russland. 2020 stammten rund 65 Prozent der Weizenimporte aus Russland. Die Türkei streckt ohnehin schon in einer Währungskrise mit sehr hoher Inflation. Es gab bereits in den vergangenen Wochen Proteste wegen Preiserhöhungen für Lebensmittel.
Die EU-Agrarminister beraten an diesem Mittwoch über Auswirkungen des Krieges auf die Lebensmittelmärkte und die Bauern. „Der Einmarsch in die Ukraine birgt das Risiko einer Störung der globalen Märkte für landwirtschaftliche Produkte, heißt es in Ankündigung der Videokonferenz. Auch die Produktion von Gütern wie Düngemitteln seien betroffen.
Seit Beginn des Krieges sind Weltmarktpreise den Angaben nach bereits stark gestiegen.
Das deutsche Landwirtschaftsministerium teilte in einer ersten Einschätzung mit, die Ukraine und Russland seien zwar bedeutende Exporteure auf dem internationalen Weizenmarkt, die EU habe aber eine hohe Eigenversorgung. Schwerer betroffen sein könnten Nordafrika und Asien sowie die Türkei als Hauptimporteure.
Auch Dünger ist knapp
Der Deutsche Bauernverband wies darauf hin, dass schon jetzt Stickstoffdünger exorbitant teuer und knapp sei. Dies könne sich verschärfen. Der für Landwirte wichtige Stickstoffdünger wird mithilfe von Erdgas hergestellt – die Gaspreise waren auch schon vor der jetzigen Eskalation hoch.
Auch das Agrarministerium hält neue Turbulenzen für möglich. Die Ernährungsindustrie sei durch Preissteigerungen auch bei Vorleistungen wie Düngemitteln und Energie betroffen. Eine „weitere Verteuerung von Lebensmitteln sowie eine Steigerung der Inflationsrate nicht auszuschließen.
An den Weltmärkten für wichtige Lebensmittel haben der Überfall auf die Ukraine, die Sanktionen gegen Russland und Einschränkungen im Schiffsverkehr im Schwarzen Meer bereits zu einem Preisschock geführt. Auch hier spielt die Sorge um die Aussaat von Mais und Getreide in der Ukraine eine große Rolle.
Die Preise für Terminkontrakte, mit denen Händler künftige Liefermengen kaufen, stiegen an den wichtigsten Handelsplätzen weltweit steil an und erreichten für Weizen und Mais historische Höchstpreise.
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