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Scholz beschließt den Bau von Flüssiggas-Terminals, um Abhängigkeit von Russland zu reduzieren – Um was geht es dabei genau?
Zusammenfassung:LNG-Terminal im Hafen von RotterdamEPA/Lex van LieshoutNachdem sich Wirtschaftsminister Robert Habec
LNG-Terminal im Hafen von Rotterdam
EPA/Lex van Lieshout
Nachdem sich Wirtschaftsminister Robert Habeck für den Bau von LNG-Terminals ausgesprochen hat, hat Bundeskanzler Olaf Scholz nun den Bau zwei solcher Terminals in Deutschland verkündet.
Die Bundesregierung reagiert damit auf die russische Invasion der Ukraine, denn Deutschland soll dadurch zukünftig nicht mehr abhängig von Russland als Energielieferant sein.
Die Terminals würden importiertes Flüssiggas von Schiffen annehmen und danach in Deutschland verteilen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen über Flüssiggas und wie die Pläne der Ampel-Koalition dafür genau aussehen.
Die Ampel-Koalition strebt eine Flüssiggas-Offensive an: Nachdem sich Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grünen) für die Förderung von Flüssiggas in Deutschland ausgesprochen hat, hat Bundeskanzler Scholz (SPD) nun den Bau von zwei Flüssiggas-Terminals verkündet. Die Bundesregierung reagiert damit auf die russische Invasion der Ukraine, denn Deutschland soll dadurch zukünftig nicht mehr von Russlands Energielieferungen abhängig sein.
Bislang gibt es diese LNG-Terminals nur in den Niederlanden, im Hafen von Rotterdam. Diese Terminals nehmen importiertes Flüssiggas von Schiffen an, was danach in Deutschland verteilt wird.
Was würde das Flüssiggas in Deutschland verändern? Und wie unterscheidet es sich von dem Erdgas, welches wir bereits aus dem Ausland importieren? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Was ist Flüssiggas?
Flüssiggas ist eine Umschreibung für flüssiges Erdgas oder auch Liquified Natural Gas (LNG). Es wird als Erdgas durch das „Fracking-Verfahren aus unterirdischen Lagerstätten gewonnen und in ein LNG Gas-Terminal geleitet. Hier wird es auf -162°C abgekühlt, sodass der gasförmige Zustand verflüssigt.
Was sind die Vorteile von flüssigem Erdgas?
Der wichtigste Vorteil ist, dass flüssiges Erdgas deutlich besser transportiert werden kann. Im flüssigen Zustand verringert sich das Gesamtvolumen des Gases um das Hundertfache. So kann es effizient auf Schiffen, Zügen oder auch LKWs exportiert werden und ist nicht von der Installation einer Pipeline abhängig. Allerdings ist durch diesen aufwendigeren Transport LNG bisher teurer als Pipeline-importiertes Gas gewesen – die momentan hohen Gaspreise in Europa ändern das zumindest aktuell: sie liegen deutlich über dem Preis von LNG-Lieferungen.
Hat die Gewinnung von Flüssiggas auch Nachteile?
Die Abkühlung von Erdgas bringt einen eigenen, großen Energieaufwand mit sich. Circa zehn bis 25 Prozent des Energiegehaltes von Flüssiggas wird in diesem Prozess verbraucht. Zudem ist Flüssiggas zu 98 Prozent ein Methangas, sodass die Entweichung dieses Treibhausgases durch die Herstellung von LNG gefördert wird. Das ist auch einer der Gründe, warum das „Fracking-Verfahren für die Erdgas-Gewinnung aus dem Boden ohnehin schon stark umstritten und in Deutschland sogar verboten ist.
Was genau hat die Bundesregierung vor?
Der Bau von Import-Terminals für Flüssiggas aus dem Ausland ist schon seit längerem geplant. Zuletzt scheiterten Baupläne an fehlenden Investoren. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) äußerte sich bereits vor einem Jahr, damals noch als Finanzminister, positiv zu der finanziellen Unterstützung solcher Terminals in Deutschland. Als Reaktion auf die russische Invasion der Ukraine hat Scholz nun verkündet, dass zwei LNG-Terminals in Deutschland gebaut werden. Durch sie soll Deutschland zukünftig unabhängiger von Russland als Gaslieferant sein.
Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grünen) hatte bereits signalisiert, dass er den Bau von LNG-Terminals vorantreiben und fördern möchte. Habeck erklärt seine Entscheidung ebenfalls mit geopolitischen Gründen: Deutschland soll nicht mehr von Russlands Energielieferungen abhängig sein. Er fängt sich dadurch vor allem Kritik aus seiner eigenen Partei ein, denn hier wird das Fracking-Verfahren und der Bau dieser Terminals schon seit längerem abgelehnt.
Gibt es schon konkrete Pläne für die Verwendung von Flüssiggas in Deutschland?
Scholz bestätigt den Bau von LNG-Terminals an zwei Standorden in Deutschland: Brunsbüttel in Schleswig-Holstein und Wilhelmshaven in Niedersachsen. Diese Standorte waren schon seit längerem im Gespräch. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) zufolge hatte sich Habeck bereits positiv für eine Unterstützung des Terminals Brunsbüttel geäußert.
Inwiefern würde Flüssiggas der momentanen Wirtschaftslage helfen?
Der Bau der Terminals würde einige Jahre dauern, sodass importiertes Flüssiggas die momentan sehr angespannte Lage der deutschen Energiepreise nicht entspannen würde. Mittelfristig, soll das flüssige Erdgas aber helfen, die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu minimieren und deutsche Energie-Ressourcen zu diversifizieren. Das würde bedeuten, dass zukünftig Energiepreise stabiler wären.
Was sagen Kritiker zu der Flüssiggas-Offensive der Ampel-Koalition?
Kritik kommt vor allem von den Grünen sowie mehreren Klimaschutzorganisationen. Sie argumentieren, dass man mit dem Bau von LNG-Terminals eine fossile Infrastruktur verfestige. So sagt der Landesvorsitzende der niedersächsischen Grünen, Hanso Janßen, dem „Spiegel“, dass der LNG-Neubau „energiepolitisch verfehlt” sei. Es solle lieber direkt über Importstrukturen für grünen Wasserstoff nachgedacht werden. Schleswig-Holsteins grüner Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht meint, die Terminals müssten „von Anfang an auf den Handel emissionsfreier Gase wie etwa grüner Wasserstoff ausgerichtet sein. Insgesamt sollte man sich also lieber auf Wasserstoff als auf Flüssiggas konzentrieren.
Dieser Artikel wurde zuletzt am 28. Februar 2022 aktualisiert. Er wurde am 16. Februar 2022 veröffentlicht.
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