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Wingcopter: Milliarden-Deal auf der Kippe
Zusammenfassung:Wingcopter will nach Afrika, um dort mit den eigenen Lieferdrohnen Teile des Kontinents medizinisch
Wingcopter will nach Afrika, um dort mit den eigenen Lieferdrohnen Teile des Kontinents medizinisch zu versorgen.
Wingcopter
Die Euphorie war groß: Ein junger Entwickler für Drohnen aus Darmstadt hatte vermeintlich den weltgrößten zivilen Auftrag für die fliegenden ferngesteuerten Fluggeräte an Land gezogen. 12.000 Drohnen werde ein neu gewonnener Partner aus der ghanaischen Hauptstadt Accra in Hessen bestellen, verteilt auf fünf Jahre, meldete Wingcopter-Gründer Tom Flimmre im Mai stolz – ein Auftrag im Wert von wohl mehreren Milliarden Euro.
Die Nachricht, die sich über Fachmedien schnell bis in die USA und nach Japan verbreitete, klang fast zu schön: Der afrikanische Investor wollte Plümmers idealistische Vision aus der Gründungszeit 2017 umsetzen – nämlich mit den Drohnen einen Lieferdienst für Medikamente auf dem Kontinent einzurichten. Mit seiner großen Vision würde Wingcopter, das mit dem Hessischen Gründerpreis ausgezeichnet und vom Dax-Konzern Merck bei ersten Projekten gefördert wurde, an die Weltspitze der Drohnen-Start-ups befördert.
Droht das Afrika-Geschäft zu scheitern?
Nun allerdings setzt Ernüchterung ein. Das Vorhaben steht auf der Kippe. Stillschweigend hat Wingcopter auf seiner Website sämtliche Hinweise auf das Projekt gestrichen. Auch die Homepage des Gemeinschaftsunternehmens mit dem afrikanischen Partner Atlantic Trust ist leer. Zu dem Projekt könne er sich derzeit nicht äußern, sagte Plümmer Welt am Sonntag. Was er allerdings sagen könne, sei, dass Wingcopter bereits nach weiteren Partnern schaue. Auch die Suche nach Investoren gehe weiter – schließlich baut das Start-up die Produktionskapazitäten deutlich aus.
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Die bisherigen Investoren bleiben wohl an Bord – obwohl einige erst nach der Ankündigung des vermeintlichen Mega-Deals gewonnen wurden. Wingcopter habe das Projekt bei der Kapitalsuche im Frühjahr euphorisch vorgestellt, heißt es aus dem Umfeld der Geldgeber. Mehrere Investoren hätten das Unternehmen allerdings gedrängt, den afrikanischen Partner professionell auf Herz und Nieren zu prüfen – schließlich seien die Projektdimensionen „bombastisch und Atlantic Trust wenig bekannt.
Daher seien die Investoren von Anfang an skeptisch gewesen, ob die Finanzkraft der neuen Partner ausreiche, und hätten die Bewertung nicht auf den Deal gestützt, hieß es. Laut der Datenbank „Crunchbase hat Wingcopter bislang rund 66 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt, darunter der vom Land Hessen eingerichtete Förderfonds Future Regio Growth und Rewe. Beide äußerten sich auf Anfrage nicht.
Offiziell ist das Mega-Projekt noch nicht begraben. Allerdings stellen sich einige Investoren darauf ein, dass Wingcopter für seine Afrika-Pläne nun wohl andere Partner suchen muss.
Wingcopter gilt als Vorzeige-Startup in Hessen. Das erst sechs Jahre alte Unternehmen entwickelt Lieferdrohnen, die dank zusätzlicher Tragflächen besonders schnell und effizient sein sollen. Das Fluggerät kann 110 Kilometer weit fliegen mit bis zu 145 km/h – dabei allerdings nur sechs Kilogramm befördern. Das erschwert den Einsatz außerhalb von leichter, eiliger Fracht wie Blutproben und Medikamente.
Afrika als Test-Land: Kaum bürokratische Hürden
Daher gilt Afrika als Testfeld für solche Drohnen: In weiten Regionen des Kontinents sind die Straßen nicht asphaltiert, zur Regenzeit überschwemmt, und in Kliniken können gekühlte Medikamente und Blutkonserven mitunter nicht gelagert werden. Drohnen könnten alsoin medizinischen Notfällen Vorteile bieten – sofern sich Finanziers für die Technik finden. Afrika hat für die Entwickler der Drohnen einen weiteren Start-Vorteil: Sie erhalten für ihre Testflüge in einigen afrikanischen Ländern leichter eine Erlaubnis als in den Industriestaaten.
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Trotz des bislang noch begrenzten Markts ist die Konkurrenz groß. An kleinen Lieferdrohnen arbeiten weltweit etliche junge Unternehmen. Zu den größten Wingcopter-Konkurrenten gehört dabei der ebenfalls in Afrika aktive US-Anbieter Zipline, der knapp eine halbe Milliarde Dollar Risikokapital bei Investoren eingesammelt hat.
Wingcopter verliert außerdem eine Kunden aus den USA
Bereits vor einem Jahr meldete Wingcopter einen ersten größeren Auftrag für den US-Medizinflugdienst Spright in Höhe von 16 Millionen Dollar. Für solche Aufträge, die bisherige kleinere Projekte ablösen sollen, baut Wingcopter derzeit eine industrielle Fertigung auf. Allerdings platzierte der Wingcopter-Partner Spright seinen jüngsten Großauftrag vor wenigen Wochen beim Schweizer Hersteller Dufour, dessen Drohnen mit 40 Kilogramm deutlich mehr Zuladung tragen können.
Die Risiken des Vorstoßes in die neue elektrische Flugtechnik zeigt derzeit die Entwicklung beim deutschen Flugtaxi-Entwickler Lilium. Nach seinem Börsengang klafft bei dem Entwickler erneut eine Kapitallücke, der Aktienkurs ist eingebrochen.
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Dieser Artikel erschien zuerst bei Welt.de
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