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Weil Algerien wie Russland mit Gas-Stopp drohte: Nato nennt in vertraulichem Bericht Algerien ein Sicherheitsrisiko für Europa
Zusammenfassung:Eine Produktionsanlage für verflüssigtes Industriegas des Privatunternehmens Calgaz in Südalgerien.
Eine Produktionsanlage für verflüssigtes Industriegas des Privatunternehmens Calgaz in Südalgerien.
Billal Bensalem/NurPhoto, picture alliance
Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs versuchen alle europäischen Länder, ihre Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren.
Deutschland setzt dabei auf neue Gaslieferanten wie das arabische Land Katar, südeuropäische Länder wie Italien hingegen auf Algerien, den inzwischen drittgrößten Gaslieferanten Europas.
Doch ein vertraulicher Nato-Bericht bewertet die algerischen Gaslieferungen als Sicherheitsrisiko für Europa. Denn erst im April nutzte Algerien seine Lieferungen als politisches Druckmittel gegenüber Spanien. Die Nato zieht Parallelen zu Russland.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs versuchen die EU-Länder, immer mehr Gas aus Russland durch Importe aus anderen Ländern zu ersetzen. Deutschland etwa reduzierte seine Abhängigkeit von Russland in den letzten Monaten um 20 Prozent. Noch 35 Prozent der Gasimporte kommen aktuell aus Russland, vor allem dank neuer Lieferabkommen mit Katar oder den USA. Südeuropäische Länder wie Portugal, Spanien oder Italien hingegen bauen auf Algerien, der drittgrößte Gaslieferant Europas. Erst Anfang April orderte der italienische Ministerpräsident Mario Draghi 40 Prozent mehr algerische Gasimporte.
Wie auch Russland nutzt Algerien Gaslieferungen als politisches Druckmittel
Doch genau das macht offenbar der Nato nun ernsthafte Sorgen. In einem vertraulichen Lagebericht der Nato von Anfang dieser Woche bewertet das Militärbündnis die Gaslieferungen aus Algerien als Sicherheitsrisiko für Europa. Hintergrund ist eine Drohung Algeriens von Ende April, Spanien die Gaslieferungen einzustellen, wenn Madrid algerisches Gas an andere Länder verkaufe. Anlass war eine Erklärung der spanischen Regierung, in der sie ankündigte, Marokko über die Gaz Maghreb Europe-Pipeline (GME) Gas liefern zu wollen.
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Die GME-Pipeline führt von Algerien über Marokko nach Spanien. Lange Zeit hatte Algerien darüber selbst Spanien und Marokko mit Gas beliefert, den Transport aber nach einem diplomatischen Streit mit Marokko im November 2021 eingestellt. Zum Missfallen von Marokko wollte Spanien den Betrieb der GME-Pipeline nun in „umgekehrter Richtung genehmigen. Erst als die spanische Regierung betonte, kein algerisches Gas über die Pipeline liefern zu wollen, ruderte Algerien mit der Drohung zurück.
Doch für die Nato ist der Fall klar: Konkret heißt es im Bericht, dass es ein Risiko sei, dass Algerien seine Gaslieferungen wie Russland als politisches Druckmittel verwenden würde. Dies würde auch ein Risiko für die politische und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit Europas darstellen. Langfristig gefährde dies den Status Algeriens als Energielieferanten für Europa.
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Eine Lösung wird in dem Papier nicht genannt. Fakt ist aber: Energiesicherheit wird auch im Militärbündnis schon seit vielen Jahren als außen- und sicherheitspolitisch relevanter Faktor betrachtet. Hierbei geht es nicht nur um die militärische Sicherung der Transportwege. Energie ist die Grundlage für die westlichen Wohlstandsgesellschaften, weshalb Energieversorgung auch als strategische Waffe genutzt werden kann. Operativ hat das Thema in der Nato jedoch bislang nur eine geringe Rolle gespielt. Spätestens mit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine und den russischen Gaslieferungsstopp gegen Polen, Dänemark oder Shell sowie der algerischen Drohungen in Richtung Spanien könnte sich das nun ändern.
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